Lautes Schweigen
Eine kostümbildnerische Auseinandersetzung mit der Stille um Rassismus und Sexismus
Schweigen ist ein subtiles, facettenreiches Gebilde. Ein Überblick über die interkulturelle Vielfalt des Schweigens und der Stille führt zu meinem ganz persönlichem Blick auf die Thematik: Das Schweigen, das rund um die tabuisierten Themen wie Rassismus, Sexismus und sexualisierter Gewalt herrscht. Entstandene Traumata können anhaltend belastend sein und das Bedürfnis auslösen, laut protestieren zu wollen, sich zu wehren aber oft bleibt einem der Schrei im Halse stecken. Diese Stille verbleibt oder wächst im schlimmsten Fall immer weiter - bis sie einen verschluckt.
Absicht ist hier die Darstellung von gesellschaftlich systematischen, fundamentalen Problemen und deren Auswirkungen. Um Traumata aufzuarbeiten, um zu zeigen, dass diese Probleme existieren, aber oft versteckt bleiben, da sie verschwiegen werden.Das Spannungsfeld wird dargestellt, das sich auftut, wenn das große Bedürfnis und die Notwendigkeit des Sprechens über Gewalt/Sexismus/Rassismus besteht, aber die Worte noch gefunden werden müssen - ohne dass das Sprechen an sich zu Gewalt wird.
Wie kommt es zu der Stille um die Kolonialgeschichte Deutschlands? Und ist diese Stille nicht Teil davon, dass Rassismen weiterhin überleben können? Wieso werden Frauen noch so oft Opfer von sexualisierter Gewalt? Und welches Machtgefälle oder toxisches Opferbild zwingt diese Frauen dazu, diese Erfahrungen ganz im Inneren zu behandeln, statt Hilfe oder Solidarität zu suchen? Und wie äußert sich diese Problematik in der Spezialform des Rassismus gegen Schwarze Frauen in Deutschland?
Die performative Umsetzung gilt als Versuch, das Gefühl des Schweigens einzufangen und dieses anschließend durch Klangkostüme zu brechen. Es wird ein Raum geschaffen, in dem harte Stille durch sanfte Klänge zerfällt. Das, was sich im Inneren abgespielt hat, nach Außen zu kehren - und sind Erfahrungen einmal in das Sprachnetz der Worte gefasst, sind sie nicht mehr totzuschweigen. Das Spannungsfeld zwischen dem befreienden Schrei und der versteckt kommunikativen Stille dargestellt. Das Schweigen, das gebrochen werden möchte und die Klänge, die dabei entstehen.
Theodor Itten vergleicht das Schweigen innerhalb der Kommunikation mit der Null in der Mathematik. „Die Null tanzt an der Grenze zwischen dem Nichts und dem Etwas.“ Genau diesen Tanz, diesen fragilen Zwischenraum, das Dazwischen wird erörtert, sowie welche gesamtgesellschaftlichen Zustände dieses zartsinnige Schweigen evozieren können.
Konzept Kostümdesign Setdesign Cynthia Krüger Mit Naomi Bah und Nebou N'Diaye Fotos Tillmann Engel